Mit freundlicher Genehmigung von Frau Renate Harig, darf ich einige ihrer Weihnachtsgedichte
in meiner Homepage veröffentlichen.

Ein Geheimnis ist’s...

Ein Geheimnis ist’s um die heilige Nacht.

Wieder hat sie mir Erinn’rung gebracht.

Ich seh’ mich als Kind, wie vor endloser Zeit,

bunte Päckchen mit Zweigen liegen bereit,

die Eltern sind da und ein strahlender Baum,

Lebkuchenduft erfüllt meinen Traum.


Gefrorene Scheiben mit Blumen aus Eis,

die im Mondlicht erblühen, ein Glöckchen klingt leis`

in den Händen der Mutter, ich glaube es kaum,

mir ist so wie damals, doch ist’s nur ein Traum.



Es ist ein Wunder, das mir da passiert,

dass sich dieses Gefühl wohl niemals verliert.

Tief im Herzen, so muss es auch sein,

ist für dieses Gefühl ein kindlicher Schrein.

Ein Geheimnis ist’s und ich will es bewahren,

für mich ganz allein, auch nach so vielen Jahren,

so wertvoll und schön und nichts auf der Welt,

kann mir dieses nehmen, weil’s ein Leben lang hält.



Der Duft grüner Zweige belebt meinen Sinn

und ich fühl’ kurze Zeit, dass ich Kind wieder bin!

Das Licht einer Kerze, dieses friedliche Bild,

macht alles um mich so leicht und so mild.

Ich fühle nur Frieden, bin dankbar dafür,

daß ich sie gefunden, diese heimliche Tür,

die ich öffne ganz leise, behutsam und sacht.

 

Der Schlüssel dafür ist aus Träumen gemacht.

Ein Geheimnis ist’s und nur zu verstehen,

für jene, die manchmal durch dies

Schlüsselloch spähen.

© Renate Harig 1996

Was sollen wir uns schenken?

Was lege ich zum Weihnachtsfest
wohl allen unter’m Baum?
Dieser Gedanke setzt sich fest
und folgt mir in den Traum.
Für jeden eine Kleinigkeit,
und Freude soll sie machen.
Was soll es sein, wo find’ ich sie
unter all’ den vielen Sachen.

Ich geh’ durch die Straßen uns’rer Stadt -
nach Ruhe strebt mein Sinn,
weil ich vom Suchen müd’ und matt
und völlig lustlos bin.
Ich bin erschöpft, mein Kopf ist leer,
ich kann an nichts mehr denken,
sag’ einer mir, ich bitte sehr,
WAS sollen wir uns schenken?

Ich setze mich auf eine Bank
im Kaufhaus irgendwo
und seufze leise: Gott sei Dank,
und bin von Herzen froh,
dass meine Füße Ruhe haben -
ich lehne mich zurück
und alle Geschenke, alle Gaben
entrücken Stück um Stück.

„Darf ich“? höre ich da fragen,
vor mir steht eine alte Frau.
„Ja bitte“, höre ich mich sagen,
und sehe ganz genau,
dass ihre Heimat weit von hier,
sie blickt mich freundlich an,
traurig ist sie, so denk’ ich mir,
da frag’ ich irgendwann:
„Wohnen sie hier in dieser Stadt?“
„Ja, kurze Zeit“ kommt es zurück
Ob sie wohl Mann und Kinder hat,
denk’ ich im Augenblick.

Welch’ Schicksal sie ihr eigen nennt?
Woher mag sie wohl kommen,
hierher, wo wenige sie kennt,
mein Herz ist arg beklommen.

„Ich allein, mein Mann schon tot,
Kinder weit, weit fort,
geht mir nicht schlecht, hab’ keine Not,
aber so fremd ist dieser Ort“
Ihre Stimme war sehr leis’
und schlecht das Deutsch ist klar,
Sie vermisst die Heimat, ja, ich weiß,
Tag für Tag und Jahr für Jahr.
Das Sprechen fällt uns beiden schwer,
wir wurden beide still -
Menschen hasten hin und her -
Sie hat mein Mitgefühl.
Ein Lächeln huscht durch ihr Gesicht,
dann steht sie auf, gibt mir die Hand,
„Ein gutes Fest“ mehr sagt sie nicht,
für mich war’s viel, denn ich verstand:

Darum will ein Paket ich machen
für uns alle Groß und Klein,
hinein geb’ ich ganz viele Sachen,
damit man kann zufrieden sein:
Verständnis, Vertrauen und ganz viel Zeit,
Rücksicht und ein offenes Ohr,
Geborgenheit, Gemeinsamkeit,
ein Lächeln öffnet Tür und Tor.
Und wem sie fehlt, will ich sie schenken,
ein bisschen Heimat, ich bin für euch da,
und unter’m Tannenbaum sollen wir denken:
Das sind Geschenke für’s ganze Jahr!

Wir Großen brauchen doch nicht mehr,
zu satt sind wir von all’ den Dingen,
sie können kurze Zeit, nicht mehr
uns echte Herzensfreude bringen!

Die alte Frau aus fremdem Land
kommt oft mir in den Sinn -
im Gedanken reich’ ich ihr die Hand,
bin dankbar, dass ich geborgen bin!


© Renate Harig 1999

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